Wie gefährlich ist Rohmilch?

Rohmilch erlangt in den sozialen Medien derzeit zunehmend Bedeutung. Die Art und Weise, in der die Diskussion um dieses Thema geführt wird, nimmt mittlerweile Ausmaße an, welche mit „abstrus“ noch mild beschrieben sind. Die Fans der Rohmilch bezeichnen sich als „Rohgang“, die Rohmilch sehen sie als Teil von „Gottesnahrung“. Klingt skurril – ist es auch.

Welche Vorteile soll Rohmilch haben und was ist dran?

Rohmilch enthält eine Vielzahl von Bakterien. Grundsätzlich sind Bakterien ein wichtiger Teil unseres Körpers. Sie besiedeln unseren Darm und sind Teil des sogenannten Mikrobioms. Das Mikrobiom ist ein wichtiger Teil unseres Immunsystems. Ein vielfältiges Mikrobiom ist mit zahlreichen gesundheitlichen Vorteilen verbunden. Sofern ausschließlich „gute“ Bakterien enthalten sind, könnte Rohmilch also zu einem vielfältigen Mikrobiom beitragen.

Hier kommt dann auch schon das große „ABER“: Rohmilch ist häufig belastet mit Krankheitserregern wie Salmonellen oder Escherichia coli, welche leichte bis schwere Durchfallerkrankungen auslösen können. Insbesondere Kinder, ältere Menschen, Schwangere und Personen mit geschwächtem Immunsystem sind gefährdet und sollten den Verzehr von Rohmilch und daraus gewonnenen Weichkäsesorten meiden. Im schlimmsten Falle können Infektionen zum Tod führen.

Auch wird behauptet, der Nährstoffgehalt von Rohmilch sei höher als der in erhitzter Milch, da manche Inhaltsstoffe nicht hitzestabil sind. Dazu gehört beispielsweise Vitamin C. Dieses ist in Rohmilch jedoch sowieso lediglich in sehr geringen Mengen enthalten. Bessere Quellen sind hier Früchte und Gemüse. Laboruntersuchungen zeigen keine signifikanten Unterschiede im Nährstoffgehalt zwischen Rohmilch und erhitzten Milchsorten.

Aus gutem Grund darf Rohmilch nur mit dem Vermerk verkauft werden, dass sie vor dem Verzehr zu erhitzen ist. Dieser wird von ihren Verfechtern leider häufig ignoriert, eine Aufklärung über diesen wichtigen Zusatz findet quasi nicht statt. So steigert sich das Erkrankungsrisiko weiter. Für Likes und Views auf Instagram und TikTok wird hier mit der Gesundheit von Menschen gespielt. Ob es sich bei solchen Personen wirklich um Menschen handelt, von denen wir Ernährungstipps annehmen sollten?

Welche Alternativen gibt es?

Von Vertretern der Rohgang zwar nicht gern gehört, dennoch korrekt: pasteurisierte Frischmilch, wie sie im Kühlregal zu finden ist, stellt eine gute Alternative zur Rohmilch dar. Hier werden Krankheitserreger durch Erhitzen unschädlich gemacht, weshalb es sich um ein sehr sicheres Lebensmittel handelt.

Gleiches gilt für die ultrahocherhitzte Milch im Tetrapak (H-Milch), welche ungekühlt im Regal zu finden ist. Hier wird die Milch für einige Sekunden erhitzt, wobei höhere Temperaturen erreicht werden als bei pasteurisierter Milch. Deshalb ist sie auch ungekühlt lange haltbar, sofern die Packung verschlossen ist.

Wie bereits beschrieben kommt es bei diesen Vorgängen nicht zu nennenswerten Verlusten an Nährstoffen. Die Behauptung, das Erhitzen der Milch würde deren Nährstoffe zerstören, ist falsch. Laboruntersuchungen zeigen keine nennenswerten Unterschiede im Nährstoffgehalt zwischen Rohmilch und erhitzten Varianten. Diese Verfahren führen lediglich dazu, dass potentiell schädliche Mikroorganismen zerstört werden und so Erkrankungen verhindert werden können.

Für gesunde Erwachsene, die auf Rohmilch nicht verzichten möchten, kann die Vorzugsmilch eine Alternative sein. Hier handelt es sich um Rohmilch, für die sehr hohe Standards gelten. Es ist davon auszugehen, dass das Risiko für Erkrankungen hier geringer ist als bei klassischer Rohmilch, dennoch ist eine Kontamination mit gesundheitsschädlichen Bakterien nicht ausgeschlossen. Prinzipiell ist es in jedem Fall sicherer, auf erhitzte Milch zurückzugreifen.

Auch pflanzliche Milchalternativen wie Soja- oder Hafermilch können anstelle von Rohmilch verzehrt werden. Sie gelten allgemein als sicher. Genauere Infos, worauf Sie bei diesen Produkten achten sollten, finden Sie hier.

Sie haben noch Fragen?

Gerne helfe ich Ihnen dabei, auch ohne unsichere Lebensmittel wie Rohmilch Ihr Mikrobiom zu verbessern und so etwas für Ihre Gesundheit zu tun. Auch bei Verdauungsbeschwerden oder anderen Themen stehe ich Ihnen gerne zur Seite. Als studierte Ernährungswissenschaftlerin und über den VFED zertifizierte Ernährungsberaterin verfüge ich über das nötige Fachwissen, um Sie bei Ihrer Ernährung zu unterstützen.