Ernährungsberater, Ernährungstherapeut, Coach? Die Wahl der richtigen Fachkraft
Im Bereich der Ernährung gibt es unzählige Menschen, die behaupten, vom Fach zu sein. Häufig bestechen sie durch eine moderne und professionelle Aufmachung, Zertifikate und Erfolgsgeschichten. Doch nicht überall, wo „Experte“ draufsteht, ist auch Experte drin.
Das Problem mit den Ernährungsberatern
Der Begriff „Ernährungsberater/Ernährungsberaterin“ ist nicht gesetzlich geschützt. Prinzipiell kann sich jede Person als Ernährungsberater bezeichnen, wenn sie das möchte. Eine Ausbildung oder ein Studium? Nicht nötig! Das erschwert die Suche nach wirklichen Fachkräften mit einschlägiger Ausbildung oder einem Studium ungemein. Es ist auf den ersten Blick oft gar nicht ersichtlich, über welche Qualifikationen eine Person tatsächlich verfügt. Dieser Artikel soll einen Überblick darüber geben, wie staatlich ausgebildete Fachkräfte, die häufig auch durch die gesetzlichen Krankenkassen anerkannt werden, ausfindig gemacht werden können.
Was sind Ernährungs-Coaches?
Coaches haben meist keine offiziell anerkannte Ausbildung im Bereich der Ernährungswissenschaften. Sie haben sich häufig privat und über Kurse mit dem Thema befasst, ihre Angebote werden jedoch aufgrund der mangelnden Qualifikation meist nicht von den Krankenkassen bezuschusst. Sicher können bei manchen Fragestellungen auch Coaches helfen, die Qualität der Beratung ist jedoch nicht geprüft und kann entsprechend stark schwanken. Diese Personengruppe findet sich häufig im Fitness- bzw. Sportbereich.
„Zertifizierte“ Ernährungsberater
Ähnlich sieht es bei den vermeintlich „zertifizierten“ Ernährungsberatern aus. Viele dieser Zertifikate werden von öffentlichen Stellen nicht anerkannt. Meist handelt es sich hier um Personen, die einen kurzen Kurs eines privaten Anbieters absolviert haben. Eine mehrjährige Ausbildung sowie Qualitätskontrollen gibt es auch hier meist nicht. Ebenso übernehmen die Krankenkassen die Kosten für Termine hier nicht.
Wichtig zu betonen ist allerdings, dass es auch zertifizierte Ernährungsberater gibt, die tatsächlich über hochwertige Zertifikate verfügen. Diese werden jedoch nicht von privaten Akademien vergeben sondern von den Ernährungsfachgesellschaften (VFED, DGE, VDOe, VDD, QUETHEB, E-Zert).
Woran erkenne ich echte Fachkräfte?
Ein wichtiger Anhaltspunkt ist die Berufsausbildung bzw. das Studium. Personen mit abgeschlossener Ausbildung als Diätassistenz verfügen i. d. R. über umfangreiches Fachwissen. Gleiches gilt für Personen mit Diplom, Bachelor- oder sogar Master-Abschluss an öffentlichen Fachhochschulen und Universitäten. Bekannte Studiengänge sind hier etwa Ernährungswissenschaft, Ernährungsmanagement und Diätetik, Ökotrophologie, Ernährungsmedizin und verwandte Namen.
Der zweite wichtige Punkt ist die bereits erwähnte Zertifizierung über eine der Fachgesellschaften. Um dem Problem der vielen „Schein-Experten“ entgegenzuwirken, bieten Ernährungsfachgesellschaften Zertifizierungsprogramme an. Diese Zertifizierung ermöglicht auch eine Abrechnung mit der Krankenkasse, welche bei Coaches und Personen mit fragwürdigen Zertifikaten nicht möglich ist. Achten Sie auf Zertifikate von VFED, DGE, E-Zert, QUETHEB, VDD oder VDOe. Um sie zu erlangen, müssen neben umfangreichen fachlichen Qualifikationen auch konstante Fortbildungen sowie Berufserfahrung nachgewiesen werden. Hier handelt es sich also um Personen, welche eine umfangreiche Aus- und Weiterbildung durchlaufen und Sie kompetent begleiten können.
Was heißt das für mich?
Letztendlich bleibt die Wahl der Fachkraft natürlich gänzlich Ihnen überlassen. Sofern Sie das wünschen, können Sie auch Termine bei Coaches und Ernährungsberatern ohne Berufsausbildung, Studium und Zertifikat einer der bekannten Fachgesellschaften wahrnehmen. Auch ist es nicht ausgeschlossen, dass diese Termine Sie weiterbringen. Empfehlen würde ich es jedoch nicht, da bei diesen Personenkreisen eben häufig wichtiges Fachwissen fehlt und eine kontinuierliche Weiterbildung nicht sichergestellt ist.
Insbesondere, wenn Sie sich zu Beschwerden und Erkrankungen beraten lassen möchten, empfiehlt sich der Gang zur Fachkraft. Grund dafür ist einerseits die bereits beschriebene umfassende Aus- und Weiterbildung, aber auch die Möglichkeit der Kostenerstattung durch die gesetzlichen Krankenkassen. Bei Vorliegen einer ärztlichen Notwendigkeitsbescheinigung, welche Sie einfach in Ihrer Arztpraxis erhalten, werden diese Termine nämlich häufig bezuschusst. Coaches können dies nicht bieten. In der folgenden Auflistung finden Sie noch einmal kurz und knapp die Punkte, auf die Sie achten können.

Achten Sie auf:
- Ausbildung (Diätassistenz) oder Studium mit Abschluss Master, Bachelor oder Diplom
- Zertifizierung über Fachgesellschaft (VFED, E-Zert, DGE, VDD, VDOe, QUETHEB)
- individuelle Ansätze
- keine übertriebenen Versprechungen
- transparente Kommunikation

Vorsicht bei:
- Coaches, Zertifikaten oder „Fernstudiengängen“ privater Anbieter
- unklaren Qualifikationen
- übertriebenen Vorher-Nachher-Vergleichen
- „one size fits all“-Angeboten
- starkem Fokus auf einen Teilaspekt von Ernährung, z. B. Kohlenhydrate oder Protein
Sie haben Fragen?
Sie sind noch auf der Suche nach der richtigen Fachkraft oder haben Fragen zum Thema? Sie wünschen sich Unterstützung bei Ihrer Ernährung? Als medizinische Ernährungswissenschaftlerin (M. Sc.) mit VFED-Vorzertifikat unterstütze ich Sie gerne. Melden Sie sich einfach bei mir!
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