Saatenöle – zurecht umstritten?

Besonders in den sozialen Medien hört man immer häufiger davon, Saatenöle seien ungesund oder entzündungsfördernd. Dabei fällt häufig auch der Begriff der „hateful eight“. Dieser meint verschiedene Saatenöle, welche angeblich besonders negative Effekte auf die Gesundheit haben sollen. Doch was sind Saatenöle überhaupt und welche Rolle spielen sie in unserer Ernährung?

Saatenöle sind, wie der Name schon sagt, Öle, welche aus den Samen verschiedener Pflanzen gewonnen werden. Die bekanntesten Vertreter sind Sonnenblumenöl und Rapsöl, doch auch bei Leinöl, Kürbiskernöl und Hanföl handelt es sich um Saatenöle.

Insbesondere auf den Social Media-Plattformen TikTok und Instagram wird das Gerücht verbreitet, dass diese Öle ungesund seien. Häufig wird dabei betont, sie würden Entzündungen fördern, die Gefäße verstopfen und seien nur aufgrund genetischer Veränderungen überhaupt ungiftig für den Menschen. Diese Aussagen stimmen jedoch nur teilweise.

Sind Saatenöle entzündungsfördernd?

Es ist durchaus korrekt, dass manche Saatenöle einen hohen Gehalt an Omega 6-Fettsäuren haben. Diese sind jedoch nicht pauschal schlecht. Omega 6-Fettsäuren gehören zu den ungesättigten Fettsäuren, welche mit positiven Effekten für unsere Gesundheit in Verbindung gebracht werden. Es gibt Hinweise darauf, dass Omega-6-Fettsäuren darüber hinaus auch entzündungsfördernd wirken können. Die Studienlage ist hier jedoch sehr unklar, es kann aktuell nicht mit absoluter Sicherheit gesagt werden, dass Omega-6-Fettsäuren solche negativen Effekte haben. Darüber hinaus ist es wichtig, zu bedenken, dass Entzündungen grundsätzlich ein völlig normaler Teil unseres Stoffwechsels sind. In jedem von uns finden zu jeder Zeit Entzündungsreaktionen statt und das ist erst einmal auch überhaupt nicht schlimm. Erst, wenn diese Entzündungen überhand nehmen, können Probleme auftreten. Ob Omega-6-Fettsäuren hier jedoch wirklich einen nennenswerten Beitrag leisten, ist unklar.

Dennoch wird empfohlen, den Fokus vor allem auf Omega 3-Fettsäuren zu legen. Wenn möglich sollte also auf Öle zurückgegriffen werden, die reich daran sind. Besonders empfehlenswert sind Olivenöl und Rapsöl.
Rapsöl ist aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen zufolge eines der besten Öle. Es ist reich an ungesättigten Fettsäuren, sein Gehalt an Omega 3-Fettsäuren ist hoch. Dadurch kann Rapsöl, anders als häufig behauptet, sogar entzündungshemmend wirken. Daher gilt: Nutzen Sie gerne Rapsöl.

Verstopfen Saatenöle unsere Gefäße?

Die kurze Antwort auf diese Frage lautet: Nein! Die etwas längere Antwort lautet wie folgt: „Verstopfte Gefäße“, also Arteriosklerose und Atherosklerose stehen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Bluthochdruck und Herzinfarkten in Verbindung. Sie werden durch gesättigte Fettsäuren begünstigt. Diese sind in pflanzlichen Ölen, zu denen auch die Saatenöle gehören, kaum enthalten. Eine Ausnahme stellen Kokos- und Palmfett dar, welche aufgrund des hohen Gehalts an gesättigten Fettsäuren nur in geringen Mengen verzehrt werden sollten. Für die meisten Saatenöle gilt, dass diese kaum gesättigte Fettsäuren enthalten. Studien belegen, dass der Verzehr dieser Öle mit positiven Effekten wie einer Reduktion von Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Verbindung steht. Saatenöle sorgen also nicht dafür, dass unsere Gefäße verstopfen.
Dennoch ist es, wie weiter oben bereits beschrieben, wichtig, darauf zu achten, dass die genutzten Öle reich an Omega 3-Fettsäuren sind. Daher sollte nicht vorrangig auf Omega 6-reiche Öle wie Sonnenblumenöl gesetzt werden. Eine akute Gefahr geht jedoch auch vom Sonnenblumenöl nicht aus. Rapsöl hingegen wirkt sich sogar positiv auf unsere Gefäße aus.

Für die Praxis gilt also: Wenn Sie zu Hause kochen, ist es empfehlenswert, auf Omega-3-reiche Öle wie Raps- oder Olivenöl zu setzen. Dennoch ist der Konsum von Sonnenblumenöl und anderen Ölen, welche einen hohen Anteil an Omega-6-Fettsäuren enthalten, kein Beinbruch und Sie müssen Produkte mit Sonnenblumenöl nicht krampfhaft vermeiden.

Wäre Rapsöl eigentlich giftig?

Häufig wird behauptet, Raps sei nur deshalb für den Menschen essbar, weil bestimmte GIftstoffe herausgezüchtet wurden. Das ist zwar korrekt, dies ist jedoch überhaupt nicht schlimm. Die allermeisten Pflanzen und Tiere, aus denen unsere Lebensmittel hergestellt werden, wurden durch Zucht verändert. Dies ist wichtig, um Geschmack, Ertrag und Widerstandsfähigkeit zu optimieren. Diese Zucht ist nicht grundsätzlich schlecht und auch kein Grund, ein Lebensmittel abzuwerten. Eine Ernährung ohne durch Zucht veränderte Lebensmittel ist kaum möglich, unnötig und nicht empfehlenswert.

Haben Sie noch Fragen?

Gerade im Themenfeld Ernährung gibt es unzählige widersprüchliche Informationen. Überall hört man etwas anderes; was wirklich richtig ist, bleibt oft unklar. Als Ernährungswissenschaftlerin mit Master-Abschluss helfe Ihnen gerne bei Fragen zu antientzündlicher Ernährung, ausgewogener Ernährung im Allgemeinen sowie bei zahlreichen weiteren Fragestellungen.