Künstliche Intelligenz (KI) in der Ernährungsberatung

Bei Ernährungsfragen einfach mal ChatGPT fragen oder sich einen Ernährungsplan erstellen lassen, das klingt doch total praktisch, oder? Aber ist das wirklich eine gute Idee?

Kann Künstliche Intelligenz Ernährungsberatung?

Leider lautet die Antwort hier ganz klar: Nein! Zwar können KI-Modelle wie ChatGPT Anhaltspunkte geben, doch diese sind gerade im Ernährungsbereich häufig viel zu allgemein und fehlerhaft.
Insbesondere in der Ernährung ist es enorm wichtig, individuelle Lösungen zu finden. Allgemeine Antworten oder Lebensmittellisten, wie KI sie liefert, sind hier häufig viel zu oberflächlich. Nicht jede Person mit Lactoseintoleranz verträgt die gleiche Menge an Lactose, nicht jede Person mit Apfelallergie kann alte Apfelsorten essen und, so banal wie wichtig, nicht alle mögen die gleichen Lebensmittel. Hier sind individuelle Lösungen gefragt, die auch immer wieder angepasst werden. Eine solche Anpassung findet bei KI meist nicht statt.

Die Betreuung durch eine Fachkraft findet in der Regel über einen Zeitraum von Monaten, in manchen Fällen sogar Jahren, statt. Das können Modelle wie Gemini und ChatGPT nicht leisten. Diese Modelle sind „vergesslich“, Dinge, die am Anfang eines Chats besprochen wurden, geraten nach einigen Nachrichten immer mehr in den Hintergrund. So kann es passieren, dass nach einer Weile des Chattens ganze Diagnosen einfach vergessen werden. Entsprechend unpassend sind die KI-generierten Ernährungsempfehlungen. Dies ist nicht nur wenig hilfreich, sondern im schlimmsten Fall sogar sehr gefährlich, denn es kann vorkommen, dass Lebensmittel empfohlen werden, die bei bestimmten Krankheitsbildern nicht verzehrt werden sollten.

Auffällig ist außerdem, dass KI-generierte Ernährungspläne häufig weit von den Anforderungen abweichen. Laien bemerken dies in der Regel gar nicht, da KI ihre Ergebnisse sehr selbstbewusst präsentiert. Aus eigener Erfahrung kann ich berichten, dass ich schon Ernährungspläne gesehen habe, die nich nur unglaublich langweilig und einseitig waren, sondern auch noch unfassbar wenig Energie aufwiesen. Statt der geforderten 1200 Kalorien enthielten die generierten Ernährungspläne teilweise nur 600 kcal. Um dies zu bemerken, benötigt man ein Gefühl für Kalorien. Nur dann kann man erkennen, dass ChatGPT und Co. hier häufig schlicht Zahlen erfinden. Plötzlich haben 40 g gekochter Reis eben mal 400 kcal, obwohl sie in der Realität weit davon entfernt sind. Dass derartige Abweichungen kontraprodukiv sind, liegt auf der Hand.

Darüber hinaus neigt KI dazu, zu halluzinieren. Dies bezieht sich nicht nur auf die Kalorien, sondern auch auf allgemeine Ernährungsfakten. Hier denken sich die genannten Modelle häufig einfach Dinge aus. ChatGPT, Claude und Co. sind darauf trainiert, inhaltliche Antworten auf Fragen zu geben statt zuzugeben, wenn sie an Grenzen stoßen. Dies führt dazu, dass Fragen falsch beantwortet werden, da das Modell eine Antwort geben „möchte“ und diese im Zweifel eben erfindet. Im Ernährungsbereich, wo es häufig auch um körperliche Symptome und Erkrankungen geht, sind Falschinformationen eine reale Gesundheitsgefahr.

Aus diesen Gründen ist es wichtig, sich bei Ernährungsfragen an zertifizierte Fachkräfte zu wenden. Woran Sie diese erkennen, können Sie gerne hier nachlesen.

Zwischenmenschlichkeit in der Ernährungsberatung

Ein wichtiger, häufig übersehener Faktor bei Ernährungsberatung und -therapie ist außerdem die Beziehung zwischen der Fachkraft und der/dem Ratsuchenden. In einer Ernährungsberatung geht es nie nur um das Weitergeben von fachlichen Informationen sondern auch um Motivation, Austausch und das Besprechen von Problemen. Dieses zwischenmenschliche Verhältnis kann durch KI nicht ersetzt werden, stellt aber einen unverzichtbaren Aspekt einer erfolgreichen Ernährungsberatung oder -therapie dar. Dies ist übrigens auch der Grund, wieso nicht jede Fachkraft für alle Ratsuchenden passend ist: die Chemie muss einfach stimmen. Hier stößt KI an ihre Grenzen. Sie kann den Kontakt zu echten Menschen schlicht nicht ersetzen. Während eine Ernährungsfachkraft Ihre Erfahrung einsetzen kann, um Lösungsstrategien zu bieten, positive und negative Entwicklungen zu erkennen und wo nötig einzugreifen, bleibt Künstliche Intelligenz eben genau das: künstlich.

Ist KI für Ernährungsfragen also gänzlich unbrauchbar?

Natürlich ist auch hier nicht alles schwarz und weiß. KI kann durchaus sinnvoll sein, um sich Inspirationen zu holen. Zwar ist sie für inhaltliche Fragen und Ernährungspläne eher ungeeignet, doch Anregungen für neue Rezepte gehören durchaus zu den Stärken von KI. Wichtig ist, dass hierbei beachtet wird, dass KI-Rezepte häufig sehr repetetiv und damit auf lange Sicht einseitig sind. ChatGPT beispielsweise hat eine Liste an Lieblingszutaten, welche in vielen Rezepten eingebaut werden. Dazu zählen Haferflocken, Avodaco, Lachs und Pseudogetreide. Auch die Zubereitung ist häufig eher langweilig: gibt man beispielsweise ChatGPT eine Liste an Zutaten, die man gerade zu Hause hat und die man verbrauchen möchte, heißt es meistens entweder „gemeinsam anbraten“ oder „Salat“. Sicher kann dies passend sein, häufig werden jedoch spannende Rezeptideen ganz außen vor gelassen, was sehr schade ist und einer abwechslungsreichen Ernährung im Weg stehen kann.

Sie haben Fragen?

Bei Fragen rund um Ernährung können Sie mich jederzei gerne kontaktieren. Als studierte Ernährungswissenschaftlerin und vom VFED zertifizierte Ernährungsberaterin helfe ich Ihnen gerne bei verschiedensten Fragestellungen, seien es Verdauungsbeschwerden, vegane Ernährung, ernährungsabhängige Erkrankungen oder sonstige Themen.